WISO Konsumagenten die Vitamin Falle

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Alex Skirde 28. Aug 2016

Am Mittwoch, 24.08.2016 kam im ZDF die neue Folge des WISO Plus Magazins mit Anastasia Zampounidis und Wolfgang Trepper mit dem Titel

WISO Konsumagenten - Die Vitamin-Falle“.

Mit großem Interesse habe ich die Sendung angeschaut und einige Male auch geschmunzelt - z.B.:

Eine Ernährungswissenschaftlerin wurde nach ihrer Meinung zu "Vitamin-Zusätzen" in Saft befragt - sie antwortete "Fruchtsaft ist ja per se gesund"

Hierzu möchte ich mit einigen Stichwörtern anregen, diese Äußerung zu hinterfragen:

  • Fructose / Fructoseintoleranz und Fruchtzucker
  • enthaltene Vitamine und deren Bioverfügbarkeit in gekauften, pasteurisierten Fruchtsäften
  • Verpackungsmaterialien und deren Giftigkeit und Übergang ins Trinkgut
  • Pestizidbelastungen etc. in konventionellen Fruchtsäften
  • sonstige Zusatzstoffe wie künstliche Zitronensäure in Fruchtsäften

In Bezug auf bioverfügbarer Vital- und Mineralstoffzusammensetzung liegt ein deutlicher Unterschied zwischen gekauftem und selbst gepresstem Saft vor.

Frisch selbst gepresster Saft (idealerweise mit einer schonenden Press-Schnecke) kann eine tolle Ergänzung des gesunden Speiseplans darstellen - v.a. frisch gepresster Möhrensaft.  


Kein gesundes Naschen?

Dieselbe Ernährungswissenschaftlerin wies auch darauf hin, dass es kein "gesundes Naschen" gibt. Man soll im Anschluss ans Naschen einen Apfel essen, das gleicht die Nascherei dann wieder aus.

Auch das möchte ich kurz kommentieren:

Nascht man Gummibärchen, Schokolade, Sahnetorte & Co, so dauert hier die Verdauung einige Zeit.
Der Apfel ist i.d.R. schneller verdaut als die Sahnetorte. Nun muss der Apfel sich mit der Verdauung hinten anstellen - und fängt dabei an zu gären, was wiederum die Leber belasten kann.

Idealerweise isst man den Apfel VOR den konventionellen Süßigkeiten - oder nascht direkt gesund: z.B. einige unbehandelte Datteln, Pudding aus Kakao, Mandelpüree, Ahornsirup und Chia- oder Flohsamenschalen. Nach dem Naschen kann man ein Stückchen Petersilie gut kauend genießen: es handelt sich hierbei um eine "natürliche Zahnbürste", wodurch die Mundflora wieder harmonisiert wird. 


Vitamin D Aufnahme und/oder Mangel

Ausgesprochen gut gefallen hat mir die Aussage des Präsidenten des Max Rubner-Institutes bezüglich der Vitamin D Aufnahme:
er hat bestätigt, dass wir Vitamin D nicht über die Ernährung zu uns nehmen können.

Um ausreichend Vitamin D bilden zu können, benötigen wir die wertvolle UVB Strahlung der Sonne. Unsere Haut synthetisiert aus den UVB Strahlen Vitamin D. Beim Vitamin D handelt es sich eigentlich um ein Hormon.

Damit die Haut Vitamin D "tanken" kann, sollte man vor dem Sonnenbad KEINE Sonnencreme auftragen - die wertvollen UVB Strahlen werden sonst nicht aufgenommen. Des Weiteren sollte für die Vitamin D Synthese der Himmel wolkenlos sein und die Sonne einen Himmels-Stand von ca. 45° haben. In Deutschland ist dies von ca. April bis September zwischen ca. 12 - 15 Uhr der Fall (im Hochsommer entsprechend länger).

Je heller die Haut ist, desto mehr Vitamin D wird gebildet - je dunkler, desto weniger. Das heißt: hellhäutige benötigen weniger Zeit für ihre Vitamin D Aufnahme als dunkelhäutige Menschen. Möchte man länger in der Sonne bleiben und sich vor Sonnenbrand und Hautkrebs schützen, kann nach dem Sonnenbad eine Sonnencreme aufgetragen werden - idealerweise eine biologische Sonnencreme ohne schädliche Inhaltsstoffe. Kokosöl hat übrigens einen Lichtschutzfaktor von 4 und ist Natur pur. 


Vitamin-Mangel-Land Deutschland?

Das Max Rubner-Institut hat außerdem in dem Film bestätigt, dass Deutschland KEIN Vitamin-Mangel-Land ist - außer beim gerade erwähnten Vitamin D - und bei Folsäure.

Folsäure kommt aus dem lateinischen Wort "Folium" - das heißt übersetzt "Blatt" - somit ist es einleuchtend, dass Blätter eine hervorragende Folsäure-Quelle sind.
Diese werden allerdings zu wenig oder in der falschen Kombination gegessen, so dass der Mangel entsteht. Folsäure gehört zu den hitzeempfindlichen B-Vitaminen (Vitamin B9), die idealerweise möglichst roh (!) verzehrt werden sollten.

Erstaunlicherweise wurde Vitamin B12 NICHT als häufiger Mangel genannt.
Oft wird Vegetariern und Veganern dieser Mangel "unterstellt" - da sie sich ja "anders" ernähren und die tierischen Lebensmittel fehlen. Doch gerade wenn man sich zu einer solchen Ernährung entschließt, hinterfragen die meisten Menschen, ob und wie sie ihren Vital- und Mineralstoffbedarf abdecken können.

Die sogenannten "Allesesser" hinterfragen dies meist nicht - sie essen ja "alles" und zumeist empfinden sie es auch als "ausgewogen" und vermuten somit eher keinen Mangel.
Dass jedoch die meisten Vitamine hitzeempfindlich sind und beim Kochvorgang zum Teil zerstört werden und dass man durch den Erhitzungsvorgang (z.B. Braten, Frittieren, Grillen,...) auch andere, negative Bestandteile on Top aufnehmen kann, bleibt zumeist unberücksichtigt. Zudem denaturieren Proteine ab einer Temperatur von 42°C unwiderruflich. Is(s)t das sinnvoll??

Gerade die Vitamin B12 Aufnahme kann auch bei "Normalköstlern" ein Problem sein - wenn z.B. der Intrinsic Factor (ein Transportmolekül für Vit. B12 in unserem Magen) fehlt.

Vital- und Mineralstoffe arbeiten im Verbund - d.h. oftmals unterstützen sie sich gegenseitig in ihrer Aufnahme- und Wirksamkeit. So kann Eisen erheblich besser von unserem Körper aufgenommen werden, wenn Vitamin C mit im Spiel ist - z.B. Hülsenfrüchte mit viel frischer Zitrone und / oder Petersilie. Idealerweise alles aus BIO Anbau.


Unkontrollierte Ernährungszusätze und Vitaminpillen!?

Sehr überrascht hat mich hingegen bei den Konsumagenten der Versuch, „Wolles“ selbst kreierten "Wolles Vitaminkomplex Super 3" Pillen auf den Markt zu bringen: fassungslos habe ich festgestellt, dass wirklich JEDER Vitamin Pillen auf den Markt bringen darf. Man braucht lediglich einen Gewerbeschein und muss nur das Etikett einreichen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit - ungeprüft erhält man dann das OK. Man kann die Pillen mischen, wie man möchte – es interessiert die Behörde nicht!! So hat Wolle auf seinem "Vitaminkomplex"-Etikett das "Schwiegermuttergift" Parathion aufgeführt - ganz bewusst mit der Absicht, dass die zuständige Behörde dies ja kennen und somit seinen Antrag ablehnen muss.

Aber: ES WURDE NICHT GEPRÜFT! Der Antrag wurde nicht abgelehnt!? Zitat:

"Eine weitergehende inhaltliche Prüfung findet nicht statt"!


Fazit:

  • Die Reportage hat mir gut gefallen - das Duo Anastasia und "Wolle" schmeißt sich locker-leichte Sprüche zu und bringt die Themen spielerisch dem Publikum nahe.
  • Inhaltlich hat mir sehr gut die Aussage des Max Rubner-Institutes gefallen.
  • Entsetzt hat mich dagegen, wie einfach und ungeprüft man Pillen auf den Markt bringen darf. Is(s)t das sinnvoll??
  • Gefehlt hat mir der Zusammenhang zwischen Vitamin B12 und dem Intrinsic Factor und sowie der Zusammenhang zwischen der Bioverfügbarkeit der Vitamine im Verbund mit den anderen Vital- und Mineralstoffen von Obst und Gemüse.
  • Sehr schade finde ich, dass nur überwiegend aufgezeigt wurde, was NICHT gut ist - z.B. künstliche Vitaminzusätze in Nahrungsmitteln - ohne positive Alternativen aufzuzeigen.

Ein Schlusswort zum Thema "Deutschland ist kein Vitamin-Mangel-Land":
Unser Vitamin-Status kann natürlicherweise nur so gut sein, wie unsere Böden sind, auf denen Obst, Gemüse und Salat wachsen. Sind die Böden ausgelaugt und werden die Pflanzen mit Kunstdünger gedüngt, bilden sie nicht die Wurzeln, die sie sonst bilden würden, um die Mineralstoffe aus den tiefen Bodenschichten zu holen. Von Pestiziden & Co ganz abgesehen. 

Sinnvolles sollte man teilen..